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Was sind Botox-Injektionen?

Unsere kleine Tochter kam als Frühchen (29. Woche) zur Welt und ist inzwischen drei Jahre alt geworden. Ihre auffälligste Behinderung ist eine extreme Spitzfußstellung des rechten Fußes aufgrund ihrer Cerebralparese. Bisher haben wir es mit Behandlungsmethoden wie z.B. Krankengymnastik, Orthesen oder Spezialschuhen versucht, allerdings ohne sichtbare Erfolge. Nun hat unser Orthopäde eine Behandlung mit Botox-Injektionen vorgeschlagen. Wie bekomme ich weitere Informationen über diese Therapieform?

Frage gestellt von
Katrin V.

Antwort

Donnerstag, 15. April 2004, 14:25 Uhr

Obwohl Botulinumtoxin ein überaus starkes und lähmendes Gift ist, dessen Einnahme für Menschen auch in extrem kleinen Mengen lebensgefährlich ist, kann es in sehr starker Verdünnung medizinisch wirkungsvoll eingesetzt werden. So wurde Botulinumtoxin, heutzutage besser bekannt unter dem Markennamen Botox, erstmals im Jahre 1980 erfolgreich bei der Behandlung von Schielen und Lidkrämpfen eingesetzt. Heute findet es vielseitige Verwendung u.a. bei der Behandlung von Kindern und Erwachsenen mit spastischen Syndromen oder Dystonien (Bewegungsstörungen).

Kinder, die unter Bewegungsstörungen oder Spastiken leiden, laufen Gefahr, dass der erhöhte Muskeltonus bei diesen Erkrankungen zu einer Verkürzung der betroffenen Extremitäten führt. Die Folgen solcher Verkürzungen sind Schmerzen, Unbeweglichkeit und Fehlstellungen der Gelenke, die zu einem späteren Zeitpunkt operative Eingriffe erforderlich machen könnten.

Eine Behandlung mit Botox ist nur in Fällen, wo die Spastik einzelne Muskeln betrifft, sinnvoll, z.B. wenn ein spastischer Spitzfuß, eine Spastik in den Oberschenkeln, ein ständiger Faustschluss oder eine Spastik der Oberarme vorliegen. Bei einer Spastik, die den ganzen Körper betrifft (generalisierte Spastik), kann Botox jedoch nicht eingesetzt werden, da die benötigte Dosierung zu ernsthaften Nebenwirkungen führen würde.

Bei der Behandlung wird das Botulinumtoxin direkt in die betroffenen Muskeln injiziert. Innerhalb von drei bis vier Tagen tritt die Wirkung der Botox-Injektion ein und blockiert die Übertragung von Signalen zwischen Muskel und dem dazugehörigen Nerv. Daraus resultiert eine Schwächung des Muskels und führt zu einer Abnahme der Versteifung des spastischen Muskels.

Botox wird im Lauf der Zeit vom Körper des Kindes abgebaut, was dazu führt, dass die Wirkung des Toxins stetig nachlässt und daher die Behandlung wiederholt werden muss. Die Behandlungsintervalle sind von Kind zu Kind verschieden, im Durchschnitt jedoch betragen sie drei bis vier Monate.

Weitergehende Informationen über die unterschiedlichen Formen von Spastiken und Bewegungsstörungen sowie über die Behandlung mit Botox finden Sie in den unten aufgeführten Links & Quellen.

Links & Quellen

Spastiken Info : Was ist eine Cerebralparese? | Intakt : Botulinumtoxin | Deutsches Ärzteblatt : Neue Therapieoption für Kinder | Universitätsklinik Köln : Botulinumtoxin A Therapie | Schweizerische Gesellschaft für Neuropädiatrie : Botox Injektionen | ZDF : Botulinumtoxin | Hoffnungsbaum e.V. : Hallervorden-Spatz Behandlungsmöglichkeiten

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