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Magensonden : Frage & Antwort

Wie gibt man säurelabile Wirkstoffe über eine Magensonde?

In unserer Seminararbeit (Pharmaziestudium 6. Semester) befassen wir uns unter anderem mit der Problematik von säurelabilen Arzneistoffen, wie z.B. Omeprazol. Welche Möglichkeiten gibt es, diesen Arzneistoff über eine Magensonde zu verabreichen? Wie wird es generell mit säurelabilen Wirkstoffen gehandhabt?

Frage gestellt von
Julia Schmitt

Antwort

Montag, 15. Dezember 2003, 13:57 Uhr

Die Verabreichung von Medikamenten über eine Ernährungssonde ist ein schwieriges Thema, da nicht alle Arten von Arzneimitteln für diese Prozedur geeignet sind und bei fehlerhafter Vorgehensweise eine Verstopfung der Sonde oder auch eine Fehldosierung des Wirkstoffes drohen.

Generell geeignet für die Gabe über eine Ernährungssonde sind hauptsächlich Medikamente in flüssiger Form (Tropfen, Säfte oder Brausetabletten), Granulate, die sich in Wasser auflösen lassen sowie Medikamente in fester Form (Tabletten, Dragees oder Hartgelatinekapseln), die keine Retardwirkung haben und daher mit einem Mörser sondengerecht zerkleinert werden können.

Weniger geeignet sind hingegen Tabletten mit einer Retardformel, bei denen der Wirkstoff nach und nach freigesetzt wird, da das Zermörsern ebendiesen Mechanismus zerstört und eine exakte Dosierung des Wirkstoffes nicht gewährleistet werden kann. Auch Weichgelatinekapseln erweisen sich als wenig geeignet, da man den flüssigen Kapselinhalt zwar theoretisch mit einer Spritze aus der Kapsel abziehen könnte, dieses aber niemals 100%ig gelingen würde und daher die Dosierung in diesem Fall nicht zuverlässig sein kann.

Auflösbare Granulate mit Retardwirkung eignen sich nicht zur Gabe über eine Ernährungssonde, da die einzelnen Pellets meistens zu groß sind und die Granulate auch oft Stoffe beinhalten, die bei Kontakt mit Wasser sofort aufquellen und das Sondieren effektiv verhindern.

Medikamente mit säurelabilen Wirkstoffen — also Arzneimittel, deren Wirkstoffe durch Säure neutralisiert werden, wie z.B. Antra oder Pantozol — sind für die Gabe über eine Ernährungssonde in gastraler Lage (Magensonde) generell ungeeignet. Da der Magen einen hohen Säuregehalt besitzt (Ph 1-1,5), werden säurelabile Arzneistoffe mit einer magensaftresistenten Schicht überzogen, sodass die Tablette ohne Zersetzung durch Magensäuren in den Dünndarm wandern kann, wo sie sich im dort vorherrschenden alkalischen Milieu (Ph 7-8) auflösen und ihren Wirkstoff freisetzen kann.

Ein Zermörsern dieser Medikamente würde die magensaftresistente Schicht zerstören und die Wirkstoffe im Magen der Zersetzung aussetzen. Bei Kindern mit einer Ernährungssonde in Dünndarmlage (duodenal oder jejunal) können Medikamente mit säurelabilen Wirkstoffen hingegen problemlos mit dem Mörser zerkleinert und in Wasser suspendiert sondiert werden, da hierbei der Magen komplett umgangen wird.

Als Alternative für Kinder mit Ernährungssonden in gastraler Lage bieten sich Präparate an, die als sogenannter multipartikulärer Pressling (MUPS), z.B. Antra MUPS, verarbeitet sind. Bei diesem Verfahren werden einzelne Mini-Tabletten jeweils mit einem eigenen magensaftresistenten Überzug versehen und anschließend mit einer wasserlöslichen Masse zu einer Tablette geformt. Wird ein solcher Pressling in Wasser aufgelöst, bleiben die Mini-Tabletten samt Überzug erhalten und können gastral sondiert werden, wobei die Sondengröße nicht unter 10Ch liegen sollte. Allerdings ist es wichtig zu beachten, dass der Pressling erst unmittelbar vor der Gabe in Wasser aufgelöst werden darf und dass die Lösung möglichst gleichmäßig sondiert wird, da die Sonde ansonsten nur zu leicht durch die kleinen Mini-Tabletten verstopft werden kann.

Weitergehende Informationen über die Applikation von Medikamenten über Ernährungssonden erhalten Sie bei Ihrem Apotheker sowie unter den unten aufgeführten Links & Quellen.

Links & Quellen

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften : Grundlagen der enteralen Ernährung | Pflegenetz : Die Pflege der Sonde | Altenpflegeschüler : Verabreichung von Medikamenten | Krankenhaus Nordfriesland : Applikation von Medikamenten über Ernährungssonden | Klinik Bruchsal : Teilbarkeit von Tabletten

Kommentare

Dienstag, 30. Dezember 2003, 23:21 Uhr

Zu dem konkreten Falle - Protonenpumpenhemmer durch die Sonde?

Es gibt welche (Nexium - Österreich), die man auflösen kann. Vielleicht gehen die Suspension durch die Sonde. Gibt es nicht auch parenteral verabreichbare Protonenpumpenhemmer?

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