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Magensonden : Reportagen : Sondennahrung

Was ist Sondennahrung?

Abb.1: Flüssignahrung wird mit einer Ernährungsspritze in die Sonde gegeben

Abb.1: Flüssignahrung wird mit einer Ernährungsspritze in die Sonde gegeben

Sondennahrung ist eine speziell gefertigte Flüssignahrung zur künstlichen Ernährung. Dabei wird die Sondennahrung über eine Ernährungssonde direkt in den Magen oder den Dünndarm sondiert [ Abb. 1 ], um Kinder, die die Fähigkeit zur Nahrungsaufnahme durch vorhandene Schluck- bzw. Essbeschwerden ganz oder teilweise verloren haben, mit den für sie lebenswichtigen Nährstoffen zu versorgen.

Je nach Zustand und Bedürfnissen des Kindes kann die Sondennahrung hierbei sowohl als Ergänzung zum normalen Essen als auch als ausschließliche Ernährung sondiert werden. Da Sondennahrung nicht nach geschmacklichen Gesichtspunkten hergestellt wird, gibt es für Kinder, die noch teilweise eigenständig essen können und lediglich einen erhöhten Nährstoff- und Kalorienbedarf haben, spezielle Trinknahrungen, die sowohl zum Trinken als auch zum Sondieren geeignet sind.

Welche Sorten von Sondennahrung gibt es?

Es gibt eine große Anzahl von verschiedenen Sondenkostarten, die sich als definierte, standardisierte und kontrollierte Diäten an der Diätverordnung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) orientieren müssen. Die Nahrung wird in zwei Hauptgruppen unterteilt:

Standarddiäten
Abb.2: Eine Auswahl gängiger Standarddiäten von verschiedenen Herstellern

Abb.2: Eine Auswahl gängiger Standarddiäten von verschiedenen Herstellern

In enteralen Standarddiäten sind die lebenswichtigen Nährstoffe wie Kohlenhydrate, Eiweiße, Fette usw. vorhanden. Diese Art von Sondennahrung ist sowohl mit als auch ohne Ballaststoffe erhältlich. Der Energiegehalt, gemessen in Kalorien pro ml (kcal/ml), ist bei der Auswahl der passenden Nahrung ein wichtiges Kriterium, da man die Wahl zwischen drei unterschiedlichen Kaloriendichten hat: Hypokalorisch (0,75 kcal/ml), isokalorisch (1 kcal/ml) und hochkalorisch (1,2 - 2 kcal/ml). Standarddiäten setzen voraus, dass der Patient uneingeschränkte Stoffwechsel- und Verdauungskapazitäten hat.

In den meisten Fällen bekommen Kinder eine Standarddiät, die speziell auf die Bedürfnisse Heranwachsender abgestimmt ist. Diese Art von kindgerechter Sondennahrung [ Abb. 2 ] wird in Deutschland nur von vier Firmen hergestellt und vertrieben: Abbot, Fresenius, Novartis und Pfrimmer-Nutricia. Bei den meisten dieser Hersteller gibt es die Wahl zwischen hypo-, iso- und hochkalorischer, sowie zwischen ballaststoffreicher und -freier Sondennahrung.

Spezialdiäten

Spezialdiäten sind besondere Formen von Sondennahrung, die an bestimmte Stoffwechsel-Problemsituationen angepasst sind. So kann z.B. ein Patient mit Diabetes oder einem Tumor eine Sondennahrung bekommen, die entsprechend den speziellen Bedürfnissen der Krankheit größere oder kleinere Mengen bestimmter Nährstoffe enthält.

Abb.3: Spezialdiäten für Kinder haben meist eine Kaloriendichte von 1 kcal/ml

Abb.3: Spezialdiäten für Kinder haben meist eine Kaloriendichte von 1 kcal/ml

Da die Zusammensetzung von Spezialdiäten zumeist nicht dem Nährstoffbedarf von Kindern entspricht, kommen diese Diäten in der Regel nur bei Erwachsenen zum Einsatz. Bei Kindern werden sie eigentlich nur in Ausnahmefällen — und selbst dann oft nur für einen begrenzten Zeitraum von bis zu zwei Wochen — gegeben, bevor versucht wird, das Kind baldmöglichst wieder auf eine Standarddiät umzustellen.

Die Verwendung von Spezialdiäten ist im Allgemeinen nur möglich, wenn der Patient keine Verdauungsprobleme hat. Es gibt jedoch auch Spezialdiäten für Erwachsene und Kinder, deren Verdauungsleistung eingeschränkt ist oder die über eine Dünndarmsonde ernährt werden. In dieser Art von Sondennahrung sind die Nährstoffe vorverdaut, sodass sie schneller vom Körper aufgenommen werden können. Diese Spezialdiäten enthalten in der Regel keine Ballaststoffe und haben meist eine Kaloriendichte von 1 kcal/ml [ Abb. 3 ].

Da sich Kinder in einer Wachstumsphase befinden, ist es sehr wichtig, dass sie zu jeder Zeit ausreichend mit den notwendigen Nährstoffen versorgt werden, insbesondere wenn sie erkrankt sind. Ihr behandelnder Arzt sollte daher, gegebenenfalls in Zusammenarbeit mit einem qualifizierten Ernährungsberater, entscheiden, welche Art von Sondennahrung für Ihr Kind geeignet ist und ob Spezialdiäten bei Ihrem Kind verwendet werden sollten, um eine optimale und an die speziellen Bedürfnisse Ihres Kindes angepasste Versorgung zu gewährleisten.

Was enthält Sondennahrung?

Sondennahrung wird nach den strikten Empfehlungen und Richtlinien der DGE zusammengestellt und ist vollbilanziert, d.h. sie enthält alle notwendigen Nährstoffe wie Kohlenhydrate, Fette, Eiweiße, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente im richtigen Verhältnis. Aus diesem Grund ist Sondennahrung für eine dauerhafte künstliche Ernährung geeignet, sowohl als ausschließliche Ernährungsform als auch ergänzend zu herkömmlicher Nahrung.

Spezialdiäten entsprechen sowohl den Richtlinien der DGE als auch denen der Diätverordnung der EU und können zur dauerhaften künstlichen Ernährung verwendet werden, ihre jeweilige Nährstoffzusammensetzung ist jedoch an die spezifischen Bedürfnisse des Krankheitsbildes ihrer Zielgruppe angepasst. So brauchen z.B. Dekubitus-Patienten eine besonders eiweißreiche Nahrung zur Förderung des Heilungsprozesses, die in Form einer Sondennahrung mit erhöhtem Proteingehalt von verschiedenen Herstellern erhältlich ist.

Kann man Sondennahrung selbst herstellen?

Abb.4: Es ist nicht ratsam, Sondennahrung selbst herzustellen

Abb.4: Es ist nicht ratsam, Sondennahrung selbst herzustellen

In den meisten Fällen wird von selbstgefertigter Sondennahrung [ Abb. 4 ] abgeraten, weil diese in ihrer Nährstoffzusammensetzung nicht bilanziert ist und daher für eine längerfristige Ernährung eines erkrankten Kindes nicht in Frage kommen kann. Auch kann durch ungeeignete Sondennahrung eine bakterielle Kontamination entstehen, aus der sich wiederum unangenehme Komplikationen, wie z.b. gastrointestinale Infektionen, ergeben könnten.

Dazu kommt noch die Tatsache, dass die Ernährungssonde durch ungeeignete Nahrung sehr leicht verstopft oder beschädigt werden kann. Bei Kindern ist diese Gefahr noch größer als bei Erwachsenen, da eine kindgerechte Magensonde nur einen sehr geringen Durchmesser hat und sich daher selbst kleinste Nahrungspartikel im Inneren der Sonde festsetzen können. Im schlimmsten Fall könnte das bedeuten, dass die Sonde ersetzt werden muss, was, je nach Art der Sonde, einen ambulanten oder operativen Eingriff zur Folge haben könnte.

Woher bekommt man Sondennahrung?

Die Sondennahrung wird im Allgemeinen vom Arzt auf Rezept verordnet und direkt bei den Herstellern bestellt. Sie wird dann meist ohne zusätzliche Kosten zu Ihnen nach Hause geliefert. Es ist auch möglich, die Nahrung über Apotheken oder Sanitätshäuser zu beziehen. Enterale Produkte sind in der Regel auch ohne Rezept erhältlich, die Kosten werden dann allerdings kaum von der Krankenkasse übernommen werden.

Sonden- und Trinknahrung ist meistens in drei verschiedenen Verpackungsformen erhältlich: In Tetrabriks (200 ml), in Glasflaschen (200-500 ml) und in flexiblen Kunststoffbeuteln (1000-1500 ml). Die Nahrung wird gebrauchsfertig geliefert und bedarf keiner speziellen Aufbereitung, abgesehen davon, dass sie vor dem Sondieren im Wasserbad leicht erwärmt werden sollte.

Was ist, wenn mein Kind die Nahrung schlecht verträgt?

Insbesondere während der Anfangsphase einer enteralen Ernährung kann es bei einem Kind relativ leicht zu Übelkeit oder Unwohlsein kommen. Die genaue Ursache für die Unverträglichkeit zu finden und zu beseitigen ist mitunter nicht einfach, da eine Vielzahl von Faktoren Einfluss ausüben können.

Abb.5: Sondennahrung ist im geöffneten Zustand höchstens 24 Stunden haltbar

Abb.5: Sondennahrung ist im geöffneten Zustand höchstens 24 Stunden haltbar

Wenn Ihr Kind die Sondennahrung schlecht verträgt oder häufig spuckt, kann es zunächst einmal daran liegen, dass die Nahrung zu kalt, zu schnell oder in für Ihr Kind unbekömmlichen Mengen verabreicht wurde. Es empfiehlt sich also, die Nahrung vor dem Sondieren stets im Wasserbad auf etwa Zimmertemperatur zu erwärmen, die Mahlzeiten langsamer zu applizieren sowie die einzelnen Gaben in der Menge zu reduzieren und dafür die Frequenz der Gaben zu erhöhen. Falls Ihr Kind seine Mahlzeiten mit einer Ernährungspumpe verabreicht bekommt, können Sie versuchen, die Durchflussrate zu reduzieren.

Auch verdorbene oder anderweitig kontaminierte Sondennahrung kann zu Unverträglichkeit führen, daher müssen Sie unbedingt darauf achten, dass sie die Packungen mit Sondennahrung nach dem Öffnen nur im Kühlschrank aufbewahren und innerhalb von 24 Stunden aufbrauchen müssen [ Abb. 5 ]. Falls Ihr Kind die Nahrung mit einer Pumpe aus einem Beutel verabreicht bekommt, hält sich die Sondennahrung im Beutel sogar nur 12 Stunden. Ein weiterer Grund für Unwohlsein kann eine fehlende oder mangelnde Magenentleerung sein.

In manchen Fällen kann ein Wechsel zu einem anderen Sondennahrungstyp, der eine unterschiedliche Nährstoffzusammensetzung besitzt, hilfreich sein. Sie sollten auf jeden Fall Ihren Arzt und einen Ernährungsberater konsultieren, um diese für Ihr Kind unangenehme Situation möglichst bald zu bereinigen.

Links & Quellen

Fresenius : Einführung in die Enterale Ernährung | Fresenius : Fragen, Antworten, Problemlösungen | Home Supply and Care : Künstliche Ernährung | AWMF Online : Grundlagen der enteralen Ernährung

Kommentare

Samstag, 10. Juli 2004, 22:39 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herrn,

ich arbeite auf einer chirurgischen Krankenhausstation und würde mich für Fortbildungen im Rahmen der Sondenkost interessieren.

Könnten sie mir bitte Termine bzw. Veranstaltungen dieser Art zusenden.

Freitag, 26. November 2004, 00:27 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren,

wird Sondennahrung aus pflanzlichen und/oder tierischen stoffen hergestellt, oder gibt es auch rein künstliche Sondennahrung, die als voller Nahrungsersatz verwendet werden kann?

Mit bestem Dank für Ihre Antwort

Mittwoch, 06. Juli 2005, 15:13 Uhr

Guten Tag!

Unser Kind hat Masern, wir würden gern einen gezielten Ernährungsplan haben! Können sie uns helfen? Wenn sie was dazu haben, schicken sie es uns bitte umgehend! DANKE

Mit freundlichen Grüßen

Familie Möller

Dienstag, 23. August 2005, 10:58 Uhr

Hallo, ich brauch dringend ihre Hilfe.

Meine Mutter hatte am 03.07. einen Schlaganfall und wurde durch eine Nasensonde ernährt.Am 03.08. erhielt sie eine Magensonde. Die Nahrund wird absolut nicht vertragen, sie leidet unter sehr starkem Durchfall bis zu 12 x am Tag. Die Nahrung (Novasource Energie, Novasource Neutral, Novasource GI Controle) wurde bisher nicht vertragen. Sie hat stark abgenommen. Der Hausarzt sagt mir man kann nichts tun, ich bin total ratlos neben ihrem Bett zu sitzen und nichts tun zu können. Wer kann mir einen Rat geben?

Sonntag, 12. Februar 2006, 20:55 Uhr

Neuheit!

Meine Tochter muss vollsondiert werden und wir sind im vergangenen Sommer auf die neue Hipp-Sondenkost umgestiegen. Diese ist vollbilanziert und zur ausschließlichen Ernährung bestens geeignet. Sie wird aus natürlichen Lebensmitteln hergestellt und es gibt sie mittlerweile in den verschiedensten Geschmacksrichtungen (Obst, Gemüse, Fleisch). Wir haben diese Sondenkost selbst probiert und sind zu 100 Prozent davon überzeugt. Unsere Tochter verträgt sie prima, hat keine Verdauungsprobleme mehr und wir haben ein viel besseres Gefühl dabei als bei den eigenartig riechenden, künstlichen (teilw. aromatisierten) Sondennahrungen, die sonst auf dem Markt sind.

Sie sollten auf Ihrer Website unbedingt darauf aufmerksam machen!

Samstag, 04. März 2006, 11:51 Uhr

Hallo!

Wir haben einen nun fast 2jährigen Sohn, der über sie Sonde ernährt werden muss. Geben ihm seit ca. 3/4 Jahr Nutrini von der Firma Nutricia. Im großen und ganzen verträgt er es ganz gut, doch verschleimt er immer mehr. da er nicht schlucken kann, ist das für uns ein ziemliches Problem. Milcheiweißallergie wurde keine nachgewiesen, aber vll. löst es die Verschleimung aus. Kennt jemand Sondennahrung für Kleinkinder, die evtl. aus Sojabasis oder anders hergestellt wird?

Sonntag, 13. August 2006, 16:11 Uhr

Hallo,

wir haben einen 10 Monate alten Sohn,Daniel, der schwerstbehindert ist und über eine PEG ernährt wird. Zur Zeit bekommt er noch morgens Folgemilch mit Brei, mittags entweder etwas selbstgekochtes, püriertes und abends Brei. Wir haben uns bisher noch keine Gedanken über Sondennahrung gemacht, weil ich (Mama) gedacht habe, dass ich meinem Sohn was Gutes tue, wenn ich selber koche. Jetzt lese ich, das Sondennahrung besser ist.

Da unser Sohn auch ständig extrem verschleimt ist, frage ich mich, ob er vielleicht auch eine Milchallergie hat. Von den Ärzten hat das noch nie jemand erwähnt. Das ist leider das Problem, das die Kinder oft als behindert abgestempelt werden und überhaupt keine anderen Probleme beachtet bzw. untersucht werden.

Eine Frage noch: Wo bekommt man neue Aufsätze für die Sonden?

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