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Tracheotomie : Ratgeber : Komplikationen

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Abb.1: Komplikationen und Notfälle können das Leben Ihres Kindes gefährden

Abb.1: Komplikationen und Notfälle können das Leben Ihres Kindes gefährden

Das Tracheostoma verändert viele Aspekte des täglichen Lebens für Ihr Kind, mitunter auf recht dramatische Weise. Daher ist es wenig überraschend, dass es eine ganze Reihe von Komplikationen gibt, die, teils aufgrund mangelnder Pflege, teils aus nicht beeinflussbaren externen Faktoren, den Zustand Ihres Kindes beeinträchtigen und gefährden können. Es ist daher sehr wichtig, dass Ihr Kind regelmäßig vom behandelnden Hals- Nasen- Ohren Arzt untersucht wird, um etwaige Probleme frühzeitig zu erkennen und gegebenenfalls behandeln zu können.

Normalerweise teilt man Komplikationen in zwei Kategorien ein: Frühkomplikationen, die während oder direkt nach dem Eingriff auftreten, und Spätkomplikationen, die zu einem späteren Zeitpunkt in Erscheinung treten. Da dieser Pflegeratgeber sich primär an Eltern und Pfleger richtet, die tracheotomierte Kinder zuhause pflegen, werden in diesem Kapitel ausschließlich häufig auftretende Spätkomplikationen behandelt, die wiederum in drei Gruppen kategorisiert sind: Atemnot, Entzündungen und Verletzungen. Diese Komplikationen zeichnen sich meist durch klar erkennbare Symptome aus. Diese rechtzeitig zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren ist Bestandteil der täglichen Pflegearbeit.

Atemnot

Die Trachealkanüle ermöglicht Ihrem Kind, frei und einigermaßen unbeschwert zu atmen. Daher stellen Komplikationen, durch die die Atmung Ihres Kindes beeinträchtigt und sogar gänzlich unterbunden wird, die größte Gefahr dar. Es ist für das Überleben des Kindes von fundamentaler Bedeutung, sich mit den angemessenen Maßnahmen zur sofortigen Wiederherstellung der freien Atmung gründlich vertraut zu machen.

Es gibt im Allgemeinen drei Situationen, die zur Funktionsunfähigkeit einer Trachealkanüle führen und Atemnot hervorrufen können: Eine verstopfte Kanüle, eine Kanüle, deren Öffnung verdeckt ist und eine Dislokation, bei der die Kanüle versehentlich aus dem Stoma herausrutscht. Eine weitere mögliche Ursache von Atemnot ist eine schwere Infektion wie z.B. eine Lungenentzündung. Ein Kind, das unter Atemnot leidet zeigt üblicherweise die folgenden Symptome:

Abb.2: Überwachung mit einem Sensor, der an ein Pulsoximeter angeschlossen wird

Abb.2: Überwachung mit einem Sensor, der an ein Pulsoximeter angeschlossen wird

  • Das Kind atmet schwer und mit deutlich größerer Anstrengung, oft verbunden mit verstärkten Atemgeräuschen
  • Eine bläuliche Färbung der Nagelbetten, der Lippen oder der Haut
  • Einziehung der Weichteile über Brust und Schlüsselbein sowie unterhalb des Rippenbogens bei der Atmung
  • Niedrige Sauerstoffsättigung
  • Anzeichen von Panik
  • Auffällig verminderte oder gesteigerte Herzfrequenz
  • Nasenflügeln

Da das Eintreten von Atemnot eine Sache von Sekunden sein kann, müssen Eltern und Pfleger tracheotomierter Kinder jederzeit mit höchster Wachsamkeit auf ein etwaiges Auftreten dieser Symptome achten. Das gilt natürlich auch, wenn das Kind schläft, daher empfiehlt es sich als Vorsichtsmaßnahme ein Pulsoximeter [ Abb. 2 ] zur Überwachung anzuschließen, damit Eltern oder Pfleger alarmiert werden können, falls die Sauerstoffsättigung oder der Puls des Kindes im Schlaf unterhalb voreingestellter Werte fallen sollten.

Kanülenverstopfung

Eine Trachealkanüle kann auf zwei Arten verstopfen: Durch das Festsetzen größerer Mengen verborkten oder zähen Sekrets auf der Innenseite der Kanüle oder durch das Eindringen eines Fremdkörpers, wie z.B. eines Spielzeugteils oder eines Insekts, von außen in die Kanüle. In beiden Fällen besteht die Gefahr, dass der verfügbare Atemweg in der Kanüle beeinträchtigt oder sogar vollständig unterbunden wird und Ihr Kind dadurch in Atemnot gerät.

Abb.3: Absaugen bei einer verstopften Kanüle

Abb.3: Absaugen bei einer verstopften Kanüle

Um Sekretablagerungen vorzubeugen, ist es wichtig, dass das Sekret Ihres Kindes stets so locker und dünnflüssig wie möglich ist. Sie sollten daher Ihr Kind so oft wie nötig gründlich absaugen und die Kanüle dabei mit etwas Kochsalzlösung anspülen, wenn das Sekret zäh oder dickflüssig ist. Des Weiteren sollten Sie die Trachealkanüle regelmäßig wechseln und dafür sorgen, dass Ihr Kind ausreichende Mengen an Flüssigkeit zu sich nimmt. Zusätzlich müssen Sie darauf achten, dass die Atemluft Ihres Kindes angemessen befeuchtet ist, da bei einem tracheotomierten Kind die oberen Atemwege, in denen die Atemluft normalerweise erwärmt, befeuchtet und gefiltert wird, vollständig umgangen werden. Der einfachste Weg, den richtigen Feuchtigkeitsgrad in der Atemluft zu gewährleisten, ist indem Ihr Kind jederzeit eine künstliche Nase trägt, die im Nebeneffekt auch einen einigermaßen effizienten Schutz gegen das Eindringen von Fremdkörpern in die Kanüle bietet.

Wenn Ihr Kind Anzeichen von Atemnot zeigt und Sie vermuten, dass der Auslöser der Atemnot eine verstopfte Kanüle ist, spülen Sie zunächst die Kanüle mit etwas Kochsalzlösung an und saugen dann gründlich ab [ Abb. 3 ]. Wenn sich der Zustand Ihres Kindes nicht bessert, oder Sie beim Absaugen feststellen, dass die Kanüle des Kindes durch einen Fremdkörper blockiert ist, wechseln Sie die Kanüle. Falls keiner dieser Schritte die Atemnot Ihres Kindes beseitigen kann, rufen Sie unverzüglich einen Notarztwagen und überbrücken Sie die Zeit bis zur Ankunft des Notarztes mit den unter Notfallplan detailliert aufgeführten lebenserhaltenden Maßnahmen.

Verdeckung der Kanülenöffnung

Eine weitere Gefahr für die unbeschwerte Atmung Ihres Kindes entsteht, wenn die Kanülenöffnung vollständig oder teilweise durch ein Objekt verdeckt ist und so der verfügbare Atemweg verengt wird. Theoretisch ist natürlich nahezu jedes Objekt in der Lage, im Rahmen einer unglücklichen Verkettung von Umständen die Öffnung der Kanüle zu verdecken, meist geschieht dies jedoch durch Anziehsachen, Bettzeug, Stofftiere oder das Kinn des Kindes.

Wie üblich lässt sich auch eine verdeckte Kanülenöffnung am wirksamsten durch stete Wachsamkeit der Eltern und Pfleger verhindern. Einen recht effizienten zusätzlichen Schutz bietet eine künstliche Nase, die Ihr Kind rund um die Uhr tragen sollte, wobei Sie jedoch bedenken müssen, dass auch die beiden seitlichen Öffnungen der künstlichen Nase durch Objekte verdeckt oder durch Sekret verstopft werden könnten.

Wenn Ihr Kind Anzeichen einer Atemnot zeigt, die durch eine Verdeckung der Kanülenöffnung verursacht wurde, entfernen Sie das störende Objekt sofort und stellen Sie fest, ob sich die Atmung des Kindes ohne das Objekt wieder normalisiert. Unter Umständen kann es ratsam sein, dem Kind eine Weile lang zusätzlich Sauerstoff zu geben, um die Zeit, in der die Kanüle verdeckt und die Atmung beeinträchtigt war, zu kompensieren. Wenn sich der Zustand Ihres Kindes nicht bald nach der Entfernung des Objekts bessert, prüfen Sie, ob die Kanüle verstopft ist und rufen Sie andernfalls unverzüglich einen Notarztwagen und überbrücken Sie die Zeit bis zur Ankunft des Notarztes mit den unter Notfallplan detailliert aufgeführten lebenserhaltenden Maßnahmen.

Dislokation der Trachealkanüle

Die wohl gefährlichste Ursache von Atemnot ist die Dislokation, bei der die Trachealkanüle vollständig aus dem Stoma herausrutscht. Dies kann z.B. geschehen, wenn ein Kind versehentlich an seiner Kanüle zieht oder wenn das Trachealbändchen geöffnet oder durchtrennt wird. Eine Dislokation ist naturgemäß ein extrem kritischer Zustand, da die Kanüle das Stoma offen hält, sodass die Atmung des Kindes ohne Kanüle aller Wahrscheinlichkeit nach nicht gewährleistet ist. Aus diesem Grund steht im Notfall meist nicht viel Zeit zur Verfügung, um die Situation wieder unter Kontrolle zu bekommen. Eltern und Pfleger müssen daher bei einer Dislokation einen schwierigen Spagat bewerkstelligen, nämlich einerseits ruhig und kontrolliert und gleichzeitig so schnell wie möglich zu handeln.

Trachealkanülen werden durch ein schmales Haltebändchen aus Stoff oder Metall am Hals des Kindes gesichert. Da diese Art der Fixierung naturgemäß äußerst fragil und empfindlich ist, gibt es außer steter Wachsamkeit keine wirklich effektive Schutzmaßnahme gegen eine Dislokation der Kanüle. Folglich darf ein tracheotomiertes Kind nie alleine gelassen werden und muss rund um die Uhr von einer in den Techniken zur Wiederherstellung der Atemwege geübten Pflegekraft betreut werden. Darüber hinaus sollten Wechsel und Verschluss des Haltebändchens mit äußerster Sorgfalt durchgeführt werden, um das Risiko einer unbeabsichtigten Öffnung des Bändchens und einer daraus resultierenden Dislokation zu verringern.

Es ist sehr wichtig, für den Notfall jederzeit zwei Ersatzkanülen bereitzuhalten: Eine in der von Ihrem Kind normalerweise benötigten Größe und eine etwas kleinere. Versuchen Sie bei einer Dislokation zunächst, die Ersatzkanüle in der normalen Größe in das Stoma einzusetzen, um den Atemweg Ihres Kindes wiederherzustellen. Sollte es nicht möglich sein, die Kanüle in der normalen Größe einzusetzen, z.B. weil das Stoma in sich zusammengefallen ist, versuchen Sie, stattdessen die kleinere Ersatzkanüle einzusetzen. Sollten Sie gerade keine Ersatzkanüle zur Hand haben, setzen Sie die herausgerutschte Kanüle wieder ein, selbst wenn sie beschmutzt und nicht mehr steril sein sollte. Sie können sie durch eine saubere Kanüle ersetzen, sobald die Situation wieder vollständig unter Kontrolle ist.

Einfädeln eines Katheters durch die Kanüle - Abb.4: Halteposition - Abb.5: Einführen des Katheters - Abb.6: Durchgezogener Katheter
Abb.4 Abb.5 Abb.6
Einfädeln eines Katheters durch die Kanüle - Abb.4: Halteposition - Abb.5: Einführen des Katheters - Abb.6: Durchgezogener Katheter
Abb.4: Halteposition Abb.5: Einführen des Katheters Abb.6: Durchgezogener Katheter

Wenn es Ihnen nicht gelingt, eine der Kanülen in das Stoma einzusetzen, stellen Sie zunächst fest, ob sich das Stoma mit der Atmung Ihres Kindes in der Größe verändert und versuchen Sie, Ihren nächsten Versuch mit dem Moment der größten Stomaöffnung übereintreffen zu lassen. Falls das Stoma vollständig in sich zusammengefallen ist, können sie versuchen, es mit der Hilfe eines Nasenspekulums zu öffnen. Wenn auch das nicht gelingen sollte, schieben Sie einen Absaugkatheter durch die Trachealkanüle und führen sie die Spitze des Katheters in das Stoma ein [ Abb. 4-6 ]. Der Katheter kann nun als Führungsschiene benutzt werden, an der entlang die Kanüle in das Stoma eingeführt werden kann. Wenn alle Versuche scheitern, rufen Sie unverzüglich einen Notarztwagen und überbrücken Sie die Zeit bis zur Ankunft des Notarztes mit den unter Notfallplan detailliert aufgeführten lebenserhaltenden Maßnahmen.

Notfallplan

Abb.7: Ein Pulsoximeter zur Überwachung von Pulsfrequenz und Sauerstoffsättigung

Abb.7: Ein Pulsoximeter zur Überwachung von Pulsfrequenz und Sauerstoffsättigung

Wenn sie bei Ihrem Kind eine akute Atemnot bekämpfen, ist es möglich, dass Sie einen Punkt erreichen, an dem Sie alle zur Verfügung stehenden Maßnahmen zur Linderung des Problems erschöpft haben, ohne jedoch die Atemnot beenden zu können. Es ist sehr wichtig, dass Sie, als die für Ihr Kind verantwortliche Person, akzeptieren, dass Sie ab diesem Moment ohne weitere Verzögerung die Hilfe ausgebildeter Notärzte und Sanitäter in Anspruch nehmen müssen. Da Atemnot immer auch ein Wettrennen mit der Zeit ist, ist es von großer Bedeutung, den richtigen Zeitpunkt für den Notruf einschätzen zu können. Bedenken Sie, dass es unendlich viel besser ist, den Notarztwagen zu früh oder umsonst zu rufen, als zu spät.

Selbst wenn Sie den Notruf getätigt haben und Hilfe unterwegs ist, wird es immer noch eine gewisse Zeit dauern, bis der Notarzt tatsächlich bei Ihnen eintrifft, die Sie durch lebenserhaltende Maßnahmen überbrücken müssen, um die Sicherheit Ihres Kindes zu gewährleisten. Diese Zeitspanne ist sehr stark von Ihrem Wohnort abhängig: in größeren Städten wird es etwa 5 bis 10 Minuten, in entlegenen Gebieten mitunter auch viel länger dauern, bis ein Notarztwagen bei Ihnen eingetroffen ist.

Anbringen eines Sensors am Zeh - Abb.8: Kontaktpunkt - Abb.9: Anbringen des Kontaktpunkts auf dem Sensor - Abb.10: Anbringen des Sensors am Zeh
Abb.8 Abb.9 Abb.10
Anbringen eines Sensors am Zeh - Abb.8: Kontaktpunkt - Abb.9: Anbringen des  Kontaktpunkts auf dem Sensor - Abb.10: Anbringen des Sensors am Zeh
Abb.8: Kontaktpunkt Abb.9: Anbringen des  Kontaktpunkts auf dem Sensor Abb.10: Befestigen des Sensors am Zeh

In dieser Phase gilt es nun, die Atmung Ihres Kindes so gut es geht zu unterstützen und dafür zu sorgen, dass Ihr Kind ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Wenn das Kind noch von sich aus atmen kann, ist es meistens ausreichend, zur Kontrolle von Sauerstoffsättigung und Herzfrequenz mit einem Sensor ein Pulsoximeter anzuschließen [ Abb. 7-10 ] und bei abfallender Sättigung die Menge des verabreichten Sauerstoffs entsprechend zu erhöhen. Ist jedoch ein Atemstillstand eingetreten, müssen Sie sofort eine manuelle Beatmung mit einem Ambu- oder Reanimationsbeutel durchführen. Für den Fall, dass die Atemnot bei Ihrem Kind einen Herzstillstand hervorgerufen hat, müssen Sie unverzüglich kardiopulmonäre Wiederbelebungsmaßnahmen, auch Herzmassage genannt, einleiten.

Tracheotomierte Kinder können manuell beatmet werden, indem man die Gesichtsmaske vom Beutel abnimmt und an ihrer Stelle einen 15mm-Standardkonnektor auf den Beutel aufsteckt. Die Spitze des Konnektors kann dann in die Öffnung der Trachealkanüle eingeführt werden [ Abb. 11-13 ]. Wenn Ihr Kind eine Innenkanüle trägt, muss sie zum Bebeuteln entfernt werden, damit der Konnektor in die Öffnung der Kanüle passen kann.

Manuelle Beatmung - Abb.11: Ambu-Beutel mit Maske - Abb.12: Anbringen des Konnektors - Abb.13: Beatmung mit drei Fingern
Abb.11 Abb.12 Abb.13
Manuelle Beatmung - Abb.11: Ambu-Beutel mit Maske - Abb.12: Anbringen des Konnektors - Abb.13: Beatmung mit drei Fingern
Abb.11: Ambu-Beutel mit Maske Abb.12: Anbringen des Konnektors Abb.13: Beatmung mit drei Fingern

Eine manuelle Beatmung, bei der durch leichten und wiederholten Druck auf den Beutel Luftstöße in die Lungen des Kindes gepresst werden, muss unbedingt mit äußerster Vorsicht durchgeführt werden. Insbesondere bei Säuglingen und kleineren Kindern darf keinesfalls mit mehr als drei Fingern auf den Beutel gedrückt werden, um eine Überblähung der Lungen zu vermeiden. Es soll gerade genug Luft in die Lungen gepresst werden, um bei der Einatmung den Brustkorb des Kindes leicht anzuheben. Sowohl eine zu große Luftmenge als auch ein zu hoher Druck bei der künstlichen Beatmung kann in den Lungen des Kindes großen Schaden anrichten. Sollte während des Vorgangs Luft aus Nase oder Mund des Kindes entweichen, können Sie diese mit Ihrer freien Hand zuhalten.

Auch wenn Sie einmal keinen Beutel zur Hand haben, kann Ihr Kind im Notfall noch beatmet werden, indem sie entweder eine Mund-zu-Stoma Beatmung durchführen, oder, wenn die oberen Atemwege nicht blockiert sind, eine Mund-zu-Mund Beatmung, bei der Sie allerdings das Stoma mit dem Finger verschließen müssen. Wenn die Kanüle Ihres Kindes blockiert, verloren oder beschädigt ist oder wenn sie sich nicht wieder einsetzen lässt, können Sie die Spitze eines Absaugkatheters in das Stoma einführen und den Katheter mit einer Sauerstoffquelle verbinden. Wenn das Stoma so groß und stabilisiert ist, dass es ohne Kanüle nicht in sich zusammenfällt, können Sie das Kind sogar beatmen, indem Sie die Gesichtsmaske des Ambu-Beutels über das Stoma selbst legen.

Infektionen

Eine Infektion entsteht durch das Eindringen von Mikroorganismen in den Körper und wird durch Schmerz, Schwellung, Rötung oder Hitze charakterisiert. Sie kann lokal bleiben, sich also nicht im Körper ausbreiten und schnell überwunden werden, wenn die Schutzmechanismen des Körpers effektiv arbeiten. Lokale Infektionen können jedoch manchmal persistieren, sich ausbreiten und akut oder sogar chronisch werden.

Atemwegsinfekte

Aus den im Kapitel Befeuchtung dieses Pflegeratgebers ausführlich geschilderten Gründen erhöht eine Tracheotomie das Risiko von Atemwegsinfekten und schafft einen für bakterielles Wachstum förderlichen Lebensraum in und um das Stoma. Sekretreste in der Trachealkanüle oder Luftröhre sowie Schleimhautverletzungen in den unteren Atemwegen, die durch zu tiefes Absaugen entstehen können, können diese Gefahr noch zusätzlich verstärken. Auch ist es möglich, dass Bakterien trotz sorgfältigster Pflege während des Kanülenwechsels, der Stomapflege oder des Absaugens durch unsterile Hilfsmittel in den Atemweg gelangen. Es ist also damit zu rechnen, dass ein tracheotomiertes Kind bei vergleichbaren Voraussetzungen häufiger unter Atemwegsinfektionen zu leiden hat als ein Kind ohne Trachealkanüle.

Um einen Atemwegsinfekt so früh wie möglich zu bemerken, müssen Sie auf ein etwaiges Auftreten typischer Symptome achten, darunter Fieber, auffällige Veränderungen im Zustand des Trachealsekrets, verstärkte Lungengeräusche und eine Steigerung der Atemtätigkeit. Bei jedem Absaugvorgang sollte das Sekret daher kritisch untersucht werden, im Idealfall ist es weißlich und durchsichtig, relativ dünnflüssig und geruchlos. Sollte das Sekret jedoch grünlich oder gelblich, dickflüssiger oder mehr geworden sein, oder einen auffälligen Geruch aufweisen, könnte bei Ihrem Kind ein Infekt vorliegen. Wenn das Sekret eine rötliche Färbung aufweist, ist das oft ein Hinweis auf Verletzungen der Schleimhäute in den unteren Atemwegen, die unter Anderem auch durch starkes Husten im Rahmen eines Atemwegsinfekts entstehen können.

Abb.14: Adapter zur Verabreichung von Medikamenten mit einem Ambu-Beutel

Abb.14: Adapter zur Verabreichung von Medikamenten mit einem Ambu-Beutel

Die Vermeidung von Infekten ist schon im Normalfall schwierig, insbesondere bei Kindern. Da ein Kind mit einer Tracheostomie jedoch ein erhöhtes Infektionsrisiko hat, müssen Sie extreme Vorsicht walten lassen, wenn Ihr Kind in Kontakt mit Menschen kommt, die einen akuten oder ansteckenden Infekt haben. Aus dem gleichen Grund ist es wichtig, dass Sie Ihre Hände gründlich reinigen oder desinfizieren, bevor sie mit dem Stomabereich Ihres Kindes in Kontakt kommen oder ein Hilfsmittel, wie z.B. einen Absaugkatheter, berühren. Eine vorsichtige und sterile Absaugtechnik kann die Gefahr von Schleimhautverletzungen vermindern und das Eindringen von Bakterien in die Luftröhre erschweren. Eine künstliche Nase schafft eine angemessene Luftfeuchtigkeit in den Atemwegen, schont die Schleimhäute und filtert die Atemluft, wodurch das Infektionsrisiko gesenkt werden kann.

Ein Atemwegsinfekt muss in jedem Fall von Ihrem Kinderarzt behandelt werden, der die richtigen Medikamente, beispielsweise Antibiotika, verschreibt. Bei Kindern, denen häufige Atemwegsinfekte starke Beschwerden bereiten, kann es ratsam sein, nach Absprache mit dem Arzt eine vorsorgliche Grippeimpfung vorzunehmen. Häufig wird der Arzt auch anordnen, dass Ihr Kind mit Kochsalzlösung oder speziellen Medikamenten inhaliert. Diese Medikamente sind entweder in flüssiger Form zur Verwendung mit einem Vernebler oder als Aerosol erhältlich. Das Aerosol kann mit einem speziellen Adapter an einem Ambu-Beutel befestigt werden [ Abb. 14 ], wobei das Medikament durch leichte Stöße aus dem Ambu-Beutel direkt in die Lunge transportiert werden kann.

Entzündungen im Stomabereich

Abb.15: Eine verunreinigte Tracheostomiekompresse erhöht das Infektionsrisiko

Abb.15: Eine verunreinigte Tracheostomiekompresse erhöht das Infektionsrisiko

Das dauerhaft feuchtwarme Klima in Stoma und Stomabereich eines tracheotomierten Kindes bewirkt nicht nur eine erhöhte Neigung zu Atemwegsinfekten, sondern setzt auch das Stoma selbst einer hohen Entzündungsgefahr aus. Insbesondere bei einem frischen, noch nicht vollständig stabilisierten Stoma kann eine Entzündung im Stomabereich für Ihr Kind äußerst unangenehm sein und sich durch die Reibung der Trachealkanüle einer schnellen Heilung entziehen. Die angemessenen Maßnahmen zur Vorbeugung sowie zu Schutz und Pflege [ Abb. 15 ] eines entzündeten Stomas sind im Kapitel Stomapflege dieses Pflegeratgebers detailliert aufgeführt. Wie bei allen Infektionen obliegt es auch hierbei Ihrem Arzt, die korrekte Behandlung und die passenden Medikamente zu verordnen. Denken Sie daran, niemals Cremes oder Salben im Stomabereich aufzutragen, es sei denn, der Arzt hat ihre Verwendung an dieser Stelle explizit angeordnet.

Verletzungen

Da die Trachealkanüle Ihres Kindes letztlich ein starrer Fremdkörper ist, der durch eine künstliche Öffnung in der Luftröhre Ihres Kindes sitzt und durch ein Halteband um den Hals gesichert wird, kann der Körper Ihres Kindes unter gewissen Umständen kleinere Verletzungen oder Beschädigungen davontragen. Darüber hinaus beinhaltet die Trachealpflege eine Reihe von Pflegevorgängen, die wiederum Verletzungen hervorrufen können, besonders wenn sie nicht mit der angemessenen Sorgfalt durchgeführt werden. Meistens sind diese Schäden vergleichsweise oberflächlich, klein und leicht zu heilen, manchmal jedoch, insbesondere wenn die Luftröhre in Mitleidenschaft gezogen wurde, können weitergehende Maßnahmen erforderlich werden.

Blutungen

Direkt nach der Tracheotomie ist es nicht ungewöhnlich, wenn das Stoma Ihres Kindes für ein paar Tage leicht bluten sollte. Es handelt sich hierbei um den normalen Heilungsverlauf einer frischen Wunde, in dessen Rahmen die Blutungen meist nach 24 bis 48 Stunden von alleine aufhören. Sollten jedoch nach dieser Anfangsphase im Stomabereich jemals größere Blutungen auftreten, so müssen Sie unverzüglich Ihren Arzt aufsuchen, da in diesem Fall die Blutungen bedeuten könnten, dass die Trachealkanüle die Luftröhreninnenwand durchscheuert und eine der Hauptschlagadern Ihres Kindes durchtrennt hat. Dieser Zustand, der dankenswerterweise verhältnismäßig selten eintritt, ist sehr gefährlich und bedarf einer sofortigen Notfallbehandlung.

Abb.16: Die Soganzeige an einem elektrischen Absauggerät

Abb.16: Die Soganzeige an einem elektrischen Absauggerät

Kleinere Verletzungen in der Luftröhre, die zu leichten Blutungen führen können, werden oft durch eine fehlerhafte Absaugtechnik verursacht. Vor jedem Absaugvorgang sollten Sie unbedingt darauf achten, dass bei Ihrem Absauggerät der für Ihr Kind angemessene Sog eingestellt [ Abb. 16 ] ist und keinesfalls überschritten wird. Außerdem muss die Spitze eines jeden Katheters, den Sie zum Absaugen verwenden wollen, auf Verformungen und Konstruktionsfehler untersucht werden. Sollten Sie auch nur den leisesten Zweifel am einwandfreien Zustand eines Katheters haben, entsorgen sie ihn und nehmen sie lieber einen anderen. Auch ein zu tiefes oder zu heftiges Absaugen kann die Schleimhäute in den unteren Atemwegen beschädigen und Blutungen hervorrufen, daher sollten Sie Ihre Absaugtechnik regelmäßig überprüfen und gegebenenfalls sanfter gestalten.

Auch der Wechsel der Trachealkanüle kann zu kleineren Blutungen durch Beschädigung des empfindlichen Gewebes im Stoma und in der Luftröhre führen, besonders wenn Ihr Kind sich während des Wechsels nicht kooperativ zeigt oder eine unerwartete Bewegung macht. Achten Sie daher bei jedem Kanülenwechsel darauf, die Trachealkanüle extrem vorsichtig und niemals mit übermäßigem Kraftaufwand einzusetzen. In den meisten Fällen klingen derartige Blutungen nach ein paar Stunden von alleine ab.

Zu guter Letzt kann eine Blutung auch ein Hinweis auf mangelnde Befeuchtung der Atemwege und Schleimhäute Ihres Kindes sein. Es ist daher auch aus diesem Grund ratsam, Ihr Kind rund um die Uhr eine künstliche Nase tragen zu lassen, um eine ausreichende Luftfeuchtigkeit zu gewährleisten.

Verletzungen der Haut

Auch die Haut am Hals Ihres Kindes wird oft durch das Halteband einer Trachealkanüle in Mitleidenschaft gezogen. Unter dem Trachealbändchen kann die Haut leicht aufscheuern, da das Halteband den Hals einengt und größeren Druck auf das Gewebe ausübt. Dieser Druck vermindert die Blutzufuhr und kann zu Gewebeschäden führen, die wiederum eine Entzündung hervorrufen können. Grundsätzlich sollte ein Halteband gewechselt werden, sobald es feucht oder verunreinigt ist, um Hautirritationen oder Verletzungen vorzubeugen.

Abb.17: Wundschutzsalbe kann zum Schutz der Haut am Hals des Kindes verwendet werden

Abb.17: Wundschutzsalbe kann zum Schutz der Haut am Hals des Kindes verwendet werden

Denken Sie daran, den Sitz des Trachealbändchens regelmäßig zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen, wenn er zu locker oder zu eng sein sollte oder wenn seine Fähigkeit, einen angemessenen Schutz für die Trachealkanüle zu gewährleisten, anderweitig beeinträchtigt worden ist. Wenn sie unter dem Trachealbändchen gerötete oder entzündete Stellen bemerken, kann eine leichte Schicht Wundschutzsalbe [ Abb. 17 ] oder Vaseline auf die betroffene Region aufgetragen werden, niemals jedoch direkt auf das Stoma oder den Stomabereich. Wenn am Hals Ihres Kindes häufig Hautirritationen oder Verletzungen auftreten sollten, versuchen Sie eine andere Form von Trachealbändchen.

Granulationsgewebe

Granulationsgewebe ist eine Ansammlung von überschüssigem Bindegewebe, das durch eine Reizung des Stomas oder der Luftröhreninnenwände durch die Trachealkanüle sowie durch die natürliche Eigenschaft des Körpers, jede künstliche Öffnung, wie z.B. das Tracheostoma, zu schließen, entstehen kann. Obwohl Granulationsgewebe an und für sich harmlos ist, kann es leicht bluten und unkontrolliert wuchern, wodurch die Luftröhre Ihres Kindes ganz oder teilweise blockiert sowie die Fähigkeit Ihres Kindes zur Stimmbildung unterbunden werden kann. Aus diesen Gründen wird überschüssiges Granulationsgewebe normalerweise vom Arzt durch leichtes Ätzen ambulant, in extremen Fällen auch unter Vollnarkose, entfernt.

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